Rathaus
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Zur Stadtwerdung von Nowawes
Erste Stadtverordnetenwahl 1924
 
Nowawes will
Stadt werden

Fürsprecher und
Widersacher

Anfang der zwanziger Jahre gab es ein zunehmendes Interesse in Nowawes, den Status einer Stadt zu erlangen. Der Ort zählte mittlerweile über 26.000 Einwohner, beherbergte zahlreiche große Industriebetriebe und hatte insgesamt einen städtischen Charakter. Insofern trug dieser Wunsch nur den gewachsenen Tatsachen Rechnung.
Es gab zwar auch Gegner einer Stadtwerdung, denn die Verwaltung würde größer und aufwendiger als die bisherige Gemeindeverwaltung, sie konnten sich jedoch mit ihren Einwänden nicht durchsetzen: Am 19. Dezember 1923 beschloß die Gemeindevertretung die Annahme der Städteordnung.
Damit war Nowawes allerdings noch längst keine Stadt. Der Beschluß bedurfte der Bestätigung durch das preußische Innenministerium, und hierzu wurden in der Regel die Stellungnahmen des Kreistags sowie des Provinziallandtags eingeholt.
Das Kreishaus des
Kreises Teltow in der
Berliner Viktoriastraße
Die Gemeindevertreter um Bürgermeister Rosenthal wußten, daß der Kreis in dieser Angelegenheit eher zurückhaltend, wenn nicht ablehnend reagieren würde. Vor noch nicht vier Jahren hatte der Kreis Teltow durch die Bildung von Groß-Berlin 90% seiner Einwohnerzahl und 80% seiner Steuereinnahmen verloren. Wenn jetzt auch noch Nowawes Anstalten machte, den Kreisverband zu verlassen, dann würde es dafür alles andere als ein zustimmendes Gutachten erhalten.

  Also wandte man sich gleichzeitig an den Provinziallandtag, der in dieser Angelegenheit keine eigenen Interessen hatte. Am 28. März befürwortete der Provinzialausschuß den Antrag der Gemeinde Nowawes, dann wurde die Angelegenheit zuständigkeitshalber an den Regierungspräsidenten in Potsdam weitergeleitet.
Fast zur gleichen Zeit beriet der Kreistag über den Antrag. Der Nowaweser Abgeordnete Nathan sprach sich gegen die Stadtwerdung aus, er argumentierte mit den hohen Kosten und mahnte zur Sparsamkeit. Dem hielt der Abgeordnete Rose entgegen, daß im Falle einer Ablehnung durch den Kreis wohl die Tendenzen einer Vereini-gung von Nowawes mit Potsdam zunehmen würden. Bei der anschließenden Abstimmung ergab sich Stimmengleichheit, und damit war der Antrag von Nowawes abgelehnt.
Der langjährige
Bürgermeister
Walter Rosenthal
Die Dinge nahmen aber trotzdem ihren Lauf. Vor allem der unermüdliche persönliche Einsatz des Bürgermeisters Rosenthal und seine hervorragenden Kontakte in Potsdam und Berlin wirkten sich positiv aus.
Nachdem die Gemein-devertretung auf Bitten der Staatsregierung versichert hatte, nach der Stadtwerdung nicht aus dem Kreisverband auszuscheiden, war der Weg frei. Am 13. Dezember 1924 erging endlich die Verfügung des Staatsministeriums. In kurzen Worten wurde mitgeteilt:
 
"Der Landgemeinde Nowawes im Kreis Teltow wird hierdurch die Annahme der Städteordnung gestattet."
 
Wahrscheinlich wegen der nahenden Weihnachtsfeiertage erschien diese Meldung erst im neuen Jahr, am 6.1.1925, in der "Potsdamer Tageszeitung". Nowawes wurde als jüngste Stadt Deutschlands in dieser und anderen Zeitungen gewürdigt.

Wahlkampf
in Nowawes

zur Stadtverord-
netenwahl

Die Wahlen zur ersten Stadtverordnetenversammlung wurden für Ende Februar angekündigt. Darauf entfaltete sich in den kommenden Tagen und Wochen ein reger Wahlkampf. Die für März angesetzte Wahl des Reichspräsidenten warf spürbar ihre Schatten voraus. Nicht nur Sozialdemokraten und Kommunisten bekämpften sich heftig, auch innerhalb des bürgerlichen Lagers ging man nicht gerade zimperlich miteinander um.
Bei der Wahl in Nowawes, die am 22. Februar 1925 stattfand, konnte keine Partei eine deutliche Mehrheit erringen. Die Bürgerliche Vereinigung erhielt 14 Sitze, die SPD 13, die KPD drei und die Deutsche Demokratische Partei zwei Sitze.

Die Wahlergebnisse
vom 25. Februar 1925
Zu einem Eklat kam es bei der ersten Sitzung der neuen Versammlung. Der Bürgerlichen Vereinigung als der stärksten Fraktion hätte der Posten des Vorstehers zugestanden, aber da in der Abstimmung Demokraten und Sozialdemokraten zusammen abstimmten und sich die Kommunisten der Stimme enthielten, konnten der Sozialdemokrat Fleischmann zum Vorsteher und der Demokrat Quappe zum Stellvertreter gewählt werden. Dies sorgte für ziemliche Verstimmung unter den Abgeordneten der bürgerlichen Parteien.
Keine Meinungsverschiedenheiten gab es dagegen eine Woche später: Zum neuen Ersten Bürgermeister der Stadt Nowawes wurde erwartungsgemäß der bisherige Gemeindevorsteher Walter Rosenthal gewählt.
Die Nowaweser Stadtverordneten, unter ihnen der Dezernent des Wohlfahrtsamtes Paul Skirk (stehend 3.v.l.)

Literatur
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam:
Rep. 55 I, Nr. 126, Bl. 10, 11.15, 18
Rep. 6 B Teltow, Nr. 68, o. Pag. (29.2. und 13.12.1924)
Potsdamer Tageszeitung:
6.1., 23.2., 12.3. und 25.3.1925
Das Buch der Stadt Nowawes. Bearbeitet vom Ersten Bürgermeister Rosenthal. Berlin, 1930
Bilder Das Buch der Stadt Nowawes, S. 94 (Bild 1)
Potsdamer Tageszeitung, 25.3./12.3.1925 (Bilder 2 bis 4)
Das Bild 5 wurde freundlicherweise von Herrn Eberhard Skirk, dem Enkel des Nowaweser Dezernenten Paul Skirk, zur Verfügung gestellt.
 
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© CKeller Webpublishing   -  Letzte Änderung: 5. November 2000